linear wird zirkulär – Zukunft Kreislaufwirtschaft

BERGISCHER ABFALLWIRTSCHAFTSVERBAND | ABFALLWIRTSCHAFT 1 linear wird zirkulär – Zukunft Kreislaufwirtschaft Nachhaltigkeitsspektrum Bergischer Abfallwirtschaftsverband AVEA GmbH & Co. KG RELOGA Holding GmbH & Co. KG

linear wird zirkulär – Zukunft Kreislaufwirtschaft Nachhaltigkeitsspektrum Bergischer Abfallwirtschaftsverband AVEA GmbH & Co. KG RELOGA Holding GmbH & Co. KG

4 Der Oberbergische Kreis und der Rheinisch-Bergische Kreis haben sich bereits seit langem mit ihrem gemeinsamen Zweckverband, dem Bergischen Abfallwirtschaftsverband, das Ziel gesetzt, die kommunale Abfallwirtschaft zukunftsorientiert aufzustellen. Der Bergische Abfallwirtschaftsverband und die mit der Stadt Leverkusen gemeinsam gehaltenen Beteiligungsunternehmen AVEA GmbH & Co. KG und RELOGA Holding GmbH & Co. KG sowie deren Tochterunternehmen sind im Segment der Kreislaufwirtschaft bereits heute gut und umfassend aufgestellt. Durch sie werden nachhaltig Rohstoffe und Energie eingespart und die privat oder gewerblich anfallenden Abfälle soweit möglich in Stoff- und Energiekreisläufen geführt. Dies trägt maßgeblich zur Schonung der immer knapper werdenden Primärrohstoffe und somit zur Erhaltung unserer Umwelt bei. Insbesondere mit dem Projekt :metabolon widmen wir uns unternehmensspezifischen und -übergreifenden Herausforderungen des Ressourcenmanagements sowohl im Forschungsbereich als auch auf dem Gebiet des Wissenstransfers – also der Sensibilisierung und Aufklärung der gesamten Gesellschaft. Da die Themen und die Herangehensweisen in der Verbandsstruktur sehr divers und weitreichend sind, haben wir in diesem Nachhaltigkeitsspektrum erstmalig die verschiedenen Ansätze, Arbeitsbereiche und Projekte dargestellt. So ist es augenscheinlich, dass der Verband mit seinen Beteiligungsunternehmen sowie dem Projekt :metabolon mit ihren zahlreichen und verschiedenen Jochen Hagt Vorwort

5 Aktivitäten die Nachhaltigkeit buchstäblich in der eigenen DNA trägt und diese ein wichtiger Teil der gelebten Unternehmenskultur ist. Unter Berücksichtigung des Prinzips „vom Wissen zum nachhaltigen Handeln“ zeigt diese Veröffentlichung bereits heute, wie unsere Abfallwirtschaft sich kontinuierlich immer weiter vom linearen zum zirkulären System entwickelt. Wir freuen uns sehr, dass sich der BAV und seine Beteiligungen bei ihrer Tätigkeit konsequent an der Umsetzung der 17 offiziellen UNESCO-Nachhaltigkeitsziele orientieren. Es handelt sich hierbei um einen kontinuierlichen Prozess, der auch in Zukunft fortgesetzt werden muss, um den Wandel einer reinen Abfallwirtschaft, mit großen Anteilen an Entsorgungsprozessen, hin zu einem möglichst hohen Anteil an Kreislaufwirtschaft und damit an Ressourcenschonung zu realisieren Mit diesem Bericht soll Mut gemacht werden, die begonnenen Veränderungsprozesse in der Abfallwirtschaft sowohl im Verband, als auch in seinen Beteiligungen und im Projekt :metabolon sowie dem Folgeprojekt Bergische Ressourcenschmiede weiterhin gemeinsam und kontinuierlich fortzusetzen und sich somit für den Erhalt einer lebenswerten Welt einzusetzen. Ihr Jochen Hagt Jochen Hagt Verbandsvorsteher des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes, Landrat des Oberbergischen Kreises

6 Vorwort Stephan Santelmann Werterhalt durch Wertewandel Was zunächst als Widerspruch erscheint, ist bei genauerem Hinsehen schlüssig. Nachhaltigkeit ist die Erhaltung von Werten wie Natur und Ressourcen. Aber Nachhaltigkeit verlangt gleichzeitig ein Umdenken in Richtung einer Wirtschaft und Gesellschaft, die Wege zu global verträglichen Lebensstilen innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen des Planeten eröffnet. Diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen und mittels verstärkter Bildungsangebote den Nachhaltigkeitsgedanken weiter an die Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis und Oberbergischen Kreis sowie der Stadt Leverkusen heranzutragen und immer wieder zu zeigen, was jeder Einzelne zum Klimaschutz beitragen kann, ist unser Auftrag. Der Rheinisch-Bergische Kreis hat konkrete Ziele gesetzt, die ein ökologisch nachhaltiges, wirtschaftlich zukunftsfähiges und generationengerechtes Leben in der Region sichern. Bereits seit Jahren setzen sich viele Menschen in der Region aktiv für Nachhaltigkeit und Klimaschutz ein. Von zentraler Bedeutung ist dabei auch das Engagement des Kreises gemeinsam mit verschiedenen Akteuren, diese Themen durch gute Bildungsangebote zu vermitteln.

7 Gemeint ist eine Bildung, die Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt: Wie beeinflussen meine Entscheidungen Menschen nachfolgender Generationen oder in anderen Erdteilen? Welche Auswirkungen hat es beispielsweise, wie und was ich konsumiere? Welche Fortbewegungsmittel nutze ich oder welche und wie viel Energie verbrauche ich? Bildung für nachhaltige Entwicklung ermöglicht es jedem Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Im Kreis gab es in der Vergangenheit bereits zahlreiche, engagierte Initiativen, Bildungsangebote strategisch auf nachhaltige Entwicklung auszurichten. Einen Ansatz dazu bietet der Bergische Abfallwirtschaftsverband mit :metabolon im Entsorgungszentrum Leppe in Lindlar, der viele Partner wie Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Wirtschaft zu Themen wie Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz erfolgreich zusammen arbeiten lässt und fördert. Auch die AVEA GmbH & Co. KG als Kommunaler Entsorgungsträger des Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen Kreises sowie der Stadt Leverkusen vermittelt Groß und Klein mit einem Einblick in die operative Abfallwirtschaft schon früh die entscheidende Kreislaufwirtschaft für den Wertewandel von morgen. Stephan Santelmann Stv. Verbandsvorsteher des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der AVEA GmbH & Co. KG / RELOGA Holding GmbH & Co. KG, Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises

9 Inhaltsverzeichnis Vorworte 4 Über uns 10 Jetzt handeln: Der Weg zur zirkulären Wertschöpfung 12 Standorte 46 Bergischer Abfallwirtschaftsverband 50 Abfallwirtschaft AVEA GmbH & Co. KG | RELOGA Holding GmbH & Co. KG 62 Operative Umsetzung Bergischer Abfallwirtschaftsverband 98 Technik - technische Anlagen Bergischer Abfallwirtschaftsverband | AVEA GmbH & Co. KG 108 Abfallberatung :metabolon 148 Forschung Forschungsprojekte Wissenstransfer Bergische Ressourcenschmiede 288

10 Über uns Der Bergische Abfallwirtschaftsverband (BAV) kümmert sich um die Zukunft dessen, was andere wegwerfen: den Abfall der Städte und Gemeinden im Oberbergischen und Rheinisch-Bergischen Kreis. Als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger sind wir seit 1976 mit der Verwertung und Beseitigung der Abfälle der Region beauftragt. Seit 2002 wird die operative Abfallentsorgung des BAV und der Stadt Leverkusen durch die AVEA GmbH & Co. KG und die RELOGA Holding GmbH & Co. KG betrieben. Zu den Aufgaben des BAV gehören unter anderem die Nachsorge der Deponie Leppe, eine detaillierte Planung im Rahmen eines zukunftsfähigen Abfallwirtschaftskonzepts und die umfassende Information der Bürger zu den Themen Abfallvermeidung und -verwertung. Als Verband haben wir uns konsequent der zirkulären Wertschöpfung verschrieben, denn nur wenn wir unsere Ressourcen in Kreisläufen nutzen, können wir alle auch in Zukunft auf unserem Planeten leben. Mit der vorliegenden Veröffentlichung möchten wir zeigen, wie die gesamtgesellschaftliche Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft gelingen kann. Es ist unser Ziel, unsere Ressourcen zu schonen und die natürlichen Lebensgrundlagen auch für nachfolgende Generationen zu erhalten. Wir zeigen dabei, wo die notwendigen Veränderungen durch die Abfallwirtschaft und den BAV bereits heute vorangetrieben werden, aber auch, wo noch Handlungsbedarf besteht.

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12 Von linear zu zirkulär Klimakrise, Biodiversitätskrise, Umweltverschmutzung, Knappheit von versorgungskritischen Rohstoffen – wir leben in einer Zeit, in der wir umsetzen und handeln müssen, statt zu reden, damit unsere Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft auch in Zukunft noch eine Lebensgrundlage für uns bieten. Das uns bisher vertraute Wirtschaftsmodell funktioniert nach dem Prinzip „produzieren, nutzen, wegwerfen“. Der Natur werden endliche Rohstoffe entnommen, um damit Güter zu produzieren, die am Ende ihres (oftmals viel zu kurzen) Produktlebens entsorgt werden. Ein lineares System also, das innerhalb der Grenzen unseres Planeten nicht zukunftsfähig ist. Bereits seit Jahren rückt der „Earth Overshoot Day“ immer weiter nach vorne. An diesem Tag haben wir als gesamte Weltbevölkerung mehr Ressourcen verbraucht, als der Planet im jeweiligen Jahr regenerieren kann. 1970 lag der Erdüberlastungstag noch auf dem 29. Dezember, im Jahr 2022 haben wir schon am 29. Juli die in diesem Jahr regenerierbaren Ressourcen verbraucht. Wir brauchen also einen Paradigmenwechsel hin zu einer zirkulär aufgebauten Wertschöpfung. „Circular Economy“ ist international schon lange das Stichwort, im Deutschen wird der Begriff allerdings unzureichend mit „Kreislaufwirtschaft“ übersetzt und dabei oft auf die Themen Abfallwirtschaft und Recycling begrenzt. Dabei bedeutet echte Kreislaufwirtschaft viel mehr. Um dieser Verwechslung entgegenzuwirken, sprechen wir in vorliegender Publikation von der zirkulären Wertschöpfung. Jetzt handeln: Der Weg zur zirkulären Wertschöpfung Zirkuläre Wertschöpfung – eine Begriffsdefinition Zirkulär meint im Kontext der zirkulären Wertschöpfung das Denken, Handeln und damit auch Wirtschaften im Kreislauf, zum Beispiel indem ein Roh- oder Werkstoff am Ende seiner Nutzungsdauer wiederverwertet wird und somit im Kreislauf verbleibt. Wert beinhaltet den ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Mehrwert, der durch die Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft entsteht. Schöpfung hebt den kreativen Schaffensprozess in der zirkulären Wertschöpfung hervor: Das Schaffen von neuen, ressourceneffizienten Produkten mit innovativen, zirkulären Designs und Werkstoffen, Services und Geschäftsmodellen.

13 Die große Transformation Wir sind überzeugt: Die Zukunft gehört der zirkulären Wertschöpfung - einer Wirtschaftsweise, die den gesamten Lebenszyklus eines Produkts vom Design über die Herstellung und Nutzung bis hin zur Sammlung und Verwertung in den Blick nimmt. Einen Weg dorthin zeigt uns das Vorbild der Natur: wir wirtschaften so, dass am Ende jedes Produktlebenszyklus nur verwertbare „Abfälle“ anfallen. Das gleicht etwa den herunterfallenden Blättern eines Baumes, die Nährstoffe und Schutz für den Boden und die dort lebenden Tiere und Pflanzen bieten, bis sie wieder vollständig im Kreislauf aufgegangen sind. Eine konsequent umgesetzte zirkuläre Wertschöpfung schließt also Stoffkreisläufe: Vorhandene Ressourcen, Materialien und Energien werden so genutzt, dass sie zum Ende des Lebenszyklus nicht vernichtet, sondern verwertet werden können. Im Ergebnis schützen wir nicht nur endliche Ressourcen und lebenswichtige Ökosysteme, sondern auch das Klima. Am Ende kann und sollte sogar eine Wirtschaft stehen, die mehr Ressourcen schafft, als sie verbraucht. Vor diesem Hintergrund greifen bisherige, meist punktuelle Maßnahmen zum Klima- und Ressourcenschutz, wie isoliert stehende Informationskampagnen zu Abfallvermeidung oder technische Ansätze zur Effizienzsteigerung oft zu kurz. Das liegt auch daran, dass sie meist nur von einem Akteur durchgeführt werden. Die zirkuläre Wertschöpfung ist eine Gemeinschaftsaufgabe: Forschung, Industrie, (Abfall-)Wirtschaft, Verbraucher, Zivilgesellschaft, Bildungseinrichtungen und die Gesetzgebung müssen hier zusammenwirken – und das wiederum bedeutet eine enorme Transformation unseres Wirtschaftssystems. Es braucht ganzheitliche Strategien, die verschiedene Perspektiven und Ansätze miteinander kombinieren und ein kreislauforientiertes Denken fördern. Mit dem BAV die zirkuläre Wertschöpfung gestalten Der BAV und seine Beteiligungen haben ihre Verantwortung für den Klima- und Ressourcenschutz und den gesamtgesellschaftlichen Wandel längst erkannt sowie ihren Handlungsbedarf abgeleitet. Deshalb richten wir zum einen unsere eigene Geschäftstätigkeit konsequent nach der zirkulären Wertschöpfung aus und setzen diese schon heute in der Praxis um. Zum anderen unterstützen und motivieren wir weitere Akteure, indem wir uns miteinander vernetzen sowie Wissenstransfer und Bewusstseinsbildung vor allem in und zwischen Forschung, Praxis und Öffentlichkeit vorantreiben. So entstehen durch die Aktivitäten des BAV gestern, heute und morgen anwenderorientierte, praxistaugliche Lösungen, die in der Region und darüber hinaus eine echte zirkuläre Wertschöpfung etablieren.

14 Die Vermeidung von Abfällen ist das oberste Ziel einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft. Darüber hinaus müssen entlang des Produktkreislaufes alle Segmente im Sinne einer umfassenden zirkulären Wertschöpfung betrachtet und optimiert werden. Die zirkuläre Wertschöpfung ist eines der wichtigsten Werkzeuge, mit dem uns Klima- und Ressourcenschutz langfristig gelingt. Diese Art des Wirtschaftens impliziert, dass wir unsere Aktivitäten entlang des gesamten Stoff- und Produktkreislaufs konsequent am Kreislauf der zirkulären Wertschöpfung orientieren: Zirkuläre Wertschöpfung: viel mehr als Recycling Zirkuläre Wertschöpfung entlang des gesamten Stoff- und Produktkreislaufs Rohstoffe Zirkuläre Wertschöpfung Abfälle Verwertung Sammlung Herstellung Nutzung Produktdesign Herstellung • Verwertung von Produktionsabfällen • Einsatz von Sekundärrohstoffen • Verlängerung Lebensdauer Sammlung • Stoffstromspezifische Erfassung • Einheitliche Sammel- und Sortierstrukturen Produktdesign "Design for Recycling" • Reststoffminimierung • Rezyklierbarkeit • Kennzeichnung • Mehrwegprodukte • Pfandsysteme • Ökodesign Reg. EU • Digitaler Produktpass Verwertung • Stoffliche Verwertung • Energetische und sonstige Verwertung • Chem. Recycling Verbrauch/Nutzung • Langlebigkeit • Sensibilisierung • Nachfrage öffentliche Hand + Private • Sharing Modelle

15 Produktdesign: Wie müssen wir Produkte konzipieren, damit wir bei Herstellung, Verpackung, Transport etc. möglichst wenig Rohstoffe und Energie verbrauchen? Wie lassen sich Produkte so entwickeln, dass sie reparierbar, langlebig und mehrfach verwendbar sind und dass die Bestandteile dieser Produkte am Ende des Lebenszyklus („end of life“) recycelt werden können? Herstellung: Wie können wir Herstellungsprozesse optimieren, sodass dabei möglichst wenige Nebenprodukte und Reststoffe anfallen? Wo können Produktionsabfälle wie Industrieabwärme oder Sekundärrohstoffe wie Rezyklate anstelle von Primärrohstoffen zum Einsatz kommen? Welche ökologischen Alternativen gibt es zu nicht nachwachsenden Rohstoffen, und besonders zu Schadstoffen, die es vom Kreislauf auszuschließen gilt? Verbrauch & Nutzung: Wie lassen sich nachhaltige, ressourcenschonende Lebensstile in der Breite der Gesellschaft verankern? Wie können wir zum Beispiel den Umlauf kurzlebiger Produkte beenden und bewussten, auch gemeinschaftlichen Konsum fördern: tauschen und leihen statt kaufen; nutzen statt besitzen? Wie sieht ein nachhaltiges Beschaffungswesen öffentlicher und privater Unternehmen aus? Sammlung: Wie stellen wir sicher, dass die verschiedenen Abfälle von Haushalten, Gewerbe und Industrie sortenrein nach Stoffströmen getrennt, gesammelt und sortiert werden, damit sie einer optimalen Verwertung zugeführt werden können? Verwertung: Welche Möglichkeiten haben wir, um gebrauchte, aber intakte oder reparierbare Produkte und Materialien wiederzuverwenden? Wie lassen sich Abfälle recyceln, sodass hochwertige Sekundär- rohstoffe daraus entstehen, die in den nächsten Design- und Herstellungsprozess einfließen können? Welche Aufbereitungs- techniken gibt es hierfür bereits, welche müssen wir noch entwickeln? Wie lässt sich auch die energetische Verwertung von Abfällen optimieren?

16 Diese Prozessschritte stehen nicht für sich allein, sie sind vielmehr eng miteinander verknüpft. So werden bei der zirkulären Produktentwicklung bereits die Herstellungs- und Nutzungsbedingungen mitgedacht; die Sammlung von Abfällen ist eng mit ihrer möglichen Verwertung verbunden. Für die zirkuläre Wertschöpfung bedeutet das, dass gewisse Aspekte über alle Prozessschritte hinweg zielführend gestaltet und zusammengeführt werden müssen. Beispielsweise werden zirkuläre Geschäftsmodelle erst mit ausreichender Akzeptanz auf Verbraucherseite wirtschaftlich tragfähig; technologische Innovationen können nur im geltenden förder- und genehmigungsrechtlichen Rahmen erforscht und zur Marktreife gebracht werden. Im Kern ergeben sich daraus für uns fünf Dimensionen der zirkulären Wertschöpfung: I. Technologische Machbarkeit, II. Ökonomische Wirksamkeit, III. Ökologische Wirksamkeit, IV. Rechtlicher und administrativer Rahmen und V. Gesellschaftliche Akzeptanz. Für eine erfolgreiche nachhaltige Entwicklung sind alle diese Dimensionen notwendige Bedingungen oder – analog zur Biologie – limitierende Faktoren, das heißt ohne ihre gleichgestellte Beachtung ist eine erfolgreiche zirkuläre Wertschöpfung nicht möglich. Limitierender Faktor Soziologie Technologie Ökonomie Ökologie Administration

17 Technologische Machbarkeit: Innovative technologische Verfahren, Anlagen und Strategien für Problemstellungen aus der Praxis erforschen und entwickeln, die eine Grundlage für die konkrete Anwendung in Unternehmen schaffen. Ökonomische Wirksamkeit: Relevante Forschungsfragen, neue Konzepte und Strategien in enger Kooperation mit regionalen Unternehmen, ihren Bedarfen und Erfahrungen ausarbeiten. Die wirtschaftliche Relevanz und Tragfähigkeit möglicher Projektansätze sicherstellen. Ökologische Wirksamkeit: Strategien und Projektansätze auf ihre tatsächliche ökologische Wirksamkeit hin prüfen; für Produkte und Verfahren die vollständige Wertschöpfungskette entlang des gesamten Lebenszyklus vom Rohstoff bis zur Verwertung oder Entsorgung im Blick behalten. Rechtlicher und administrativer Rahmen: Bei der Forschung und Entwicklung die geltenden genehmigungs- und förderrechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen; Hinweise aus der Praxis in die Gesetzgebung einbringen. Gesellschaftliche Akzeptanz: Ein neues gesellschaftliches Bewusstsein im Umgang mit Ressourcen schaffen und entsprechendes Handeln fördern, damit sich technische und Verfahrens-Innovationen aus dem Bereich der zirkulären Wertschöpfung etablieren. Ganzheitlicher Ansatz: Die Fünffach-Helix des BAV und :metabolons Ganzheitliche Betrachtungsweise – Fünffach Helix

18 Der BAV als zirkulärer Wertschöpfer Ganzheitliches Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette und unter Berücksichtigung technologischer, wirtschaftlicher, ökologischer, sozialer und rechtlich-administrativer Aspekte zeichnet den BAV und seine Beteiligungen aus. Als Akteur der Kreislaufwirtschaft richten wir nicht nur unser eigenes Kerngeschäft konsequent nach den Prinzipien der zirkulären Wertschöpfung aus (etwa mithilfe eines konsequenten, umfassenden Stoffstrommanagements in unseren hochmodernen Anlagen), sondern unterstützen auch andere Akteure, zirkulär zu denken und zu wirtschaften. Mit unseren Fachkenntnissen in der Entsorgung von Abfällen und ihrer ökoeffizienten Verwertung agieren wir auch als gefragter Partner und Impulsgeber: Forschungsinstitute, Produktentwickler und -designer, Hersteller, Zulieferer, Verbraucher, Verwerter und Entsorger – wir unterstützen und motivieren sowohl die relevanten Fachleute als auch die allgemeine Öffentlichkeit bei einem schonenden, effizienten Umgang mit den Ressourcen dieser Erde. Im deutschlandweiten und sogar internationalen Technologie-, Wissens- und Erfahrungsaustausch trägt der BAV mit dem Projekt :metabolon so dazu bei, anwenderorientierte, praxistaugliche Lösungen für eine intelligente und effiziente Kreislaufwirtschaft zu entwickeln.

19 :metabolon Seit 2010 richtet und baut der BAV die ehemalige Zentraldeponie Leppe im oberbergischen Lindlar neu aus. Aus einem Lagerort für Abfälle wurde so ein Kompetenz-, Lern- und Innovationsort rund um die Themenkomplexe Stoffumwandlung, Ressourcenmanagement und Umwelttechnologie. Heute ist :metabolon – von Metabolismus, Stoffwandlung – eine bekannte Referenz für ein internationales Fachpublikum. Kern unserer Arbeit auf :metabolon ist die Kombination aus Forschung und Bildung. Forschung: In der Forschungsgemeinschaft :metabolon erforschen die Technische Hochschule Köln und der BAV Möglichkeiten der stofflichen und energetischen Verwertung von Neben-, Rest- und Abfallstoffen. Forschungsschwerpunkte liegen unter anderem in der Entwicklung von Prozessmodellen und der Berücksichtigung eines nachhaltigen Werkstoffdesigns. In die wissenschaftlichen Projekte binden wir Fachleute verschiedener Disziplinen und Hochschulen ein, aber auch die regionalen Unternehmen. Dabei orientieren wir uns an den lokalen Gegebenheiten und Anforderungen, denken den großen Rahmen jedoch mit – damit die Forschungsergebnisse auf andere Regionen Deutschlands und der Welt übertragbar sind. Bildung: Mit vielfältigen pädagogischen Programmen sprechen wir auf :metabolon alle Alters- und Bildungsgruppen an, von Kindern im Kita- und Vorschulalter über Jugendliche und junge Erwachsene, Auszubildende und Studierende bis zu Lehrkräften sowie Interessenten von beruflichen Weiterbildungen. Wir sind überzeugt: die Transformation zur zirkulären Wertschöpfung ist nur möglich, wenn alle mitmachen. Auch immer mehr ausländische Fachdelegationen besuchen :metabolon, um sich vor Ort über zirkuläre Wertschöpfung zu informieren und von der bergischen Innovationskraft zu überzeugen. Einen Schwerpunkt legen wir in unserer Bildungsarbeit neben dem lebenslangen Lernen auf die Verbindung von Ressourcenschonung und MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Damit möchten wir im Schul- und Ausbildungsalter insbesondere dem Fachkräftemangel in den mit diesen Inhalten verbundenen Berufsbildern entgegenwirken. Hierzu kooperieren wir eng mit (Hoch-)Schulen, Industrie, Gewerbe und Handwerk.

20 Bergische Ressourcenschmiede Unter dem Namen „Bergische Ressourcenschmiede“ ist das Erfolgskonzept :metabolon mit langfristiger Perspektive weiterentwickelt worden und befindet sich derzeit in der schrittweisen Umsetzung im Rahmen des Strukturförderprogrammes Regionale 2025. Mit der Realisierung der Ressourcenschmiede wird ein zentraler Anlaufpunkt für das Thema Zirkuläre Wertschöpfung in der Region und darüber hinaus geschaffen. Ein Schwerpunkt der Bergischen Ressourcenschmiede ist die Förderung und Begleitung des Transformationsprozesses in Unternehmen von linearen hin zu zirkulären Strukturen. Als Flankierung dieser Zielsetzung wird im Rahmen des Projektes ein Netzwerk aufgebaut, an dem neben regionalen Unternehmen auch die Wirtschaftsförderungen und Institutionen wie die IHK, HWK etc. beteiligt sind. Als Leistungen von Seiten des Projektes für dieses Netzwerk wurde in den ersten Monaten des im Sommer 2021 bewilligten Projektabschnittes ein mit anderen Institutionen auf Landesebene eng abgestimmtes Informations- und Beratungsangebot entwickelt, welches der Sensibilisierung und Aktivierung der Unternehmen für das Thema Zirkuläre Wertschöpfung dienen soll. Um eine durchgreifende Implementierung des Themas in die Unternehmen zu fördern, wird der Prozess durch ein breites Aus- und Weiterbildungsprogramm begleitet, welches im Rahmen der Ressourcenschmiede gemeinsam mit externen Partnern entwickelt wird und verschiedene Informationstiefen und Qualifikationsstufen abbildet und somit unterschiedliche Unternehmen und unterschiedliche Personalebenen in Unternehmen anspricht. Zu diesem Zweck wird der Forschungs-, Lehr- und Bildungsstandort :metabolon weiter ausgebaut und im Rahmen des ersten Projektabschnitts der Bergischen Ressourcenschmiede um ein Seminar- und Ausstellungsgebäude ergänzt. Wesentlich hierbei ist, dass das Gebäude selbst als Demonstrator für das Thema innovatives Bauen fungiert, da Recyclingmaterialien und innovative ökologische Baustoffe in Anwendung gebracht werden. Darüber hinaus ist eine Siedlung mit kleineren Demonstrationsbauten zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten zu eben diesen Themen geplant, um vor Ort neben der reinen Information auch die praktische Umsetzung demonstrieren zu können. Die im Forschungsstrang der Bergischen Ressourcenschmiede behandelten Themen zeichnen sich durch eine hohe Praxisrelevanz aus und werden teilweise durch das o.g. Unternehmensnetzwerk oder durch andere, dem Projekt nahestehende, Netzwerke eingebracht. Diese beteiligungsorientierte Ermittlung der im Projekt behandelten Themen gewährleistet bedarfsorientierte, anwendernahe Forschung, für die das Projekt steht.

21 Im ersten Projektabschnitt der Bergischen Ressourcenschmiede werden die Stoffströme Verbund- und Kunststoffe sowie mineralische Reststoffe (Baustellenabfälle) in den Fokus genommen, da sie aktuell die größten Mengen am Gesamtabfallaufkommen ausmachen. Für diese Fraktionen wird ein ganzheitlicher Untersuchungsansatz mit dem Ziel des Recyclings und der Wiederverwendung zugrunde gelegt. Konkret laufen aktuell Untersuchungen zur Aufbereitung von Kunststoffen, Gummi- und Kautschukabfällen und deren Umwandlung in hochwertige Karbonisate. Die am Forschungsstandort verfügbare Infrastruktur wird mit Blick auf neue Einsatzstoffe und deren Verwertungsmöglichkeiten entsprechend ausgebaut, sodass neben diversen Aufbereitungsmöglichkeiten auch unterschiedliche Verwertungs- und Einsatzmöglichkeiten aufbereiteter Fraktionen als u.a. Sekundärrohstoffe untersucht werden können. Arbeitsfelder einer zirkulären Wertschöpfung Kreislaufführung von Rohstoffen in der Produktion Wiederverwertung und -verwendung (Upscaling) Rücknahmelogistik Fachkompetenz entlang der Wertschöpfungskette Forschung und Entwicklung Energie- und Ressourcenmanagement Forschung – Praxis – Transfer Stoffstromspezifische Sammlung Zielgruppenspezifische Sensibilisierung

22 Runder Tisch Zirkuläre Wertschöpfung NRW Im Auftrag des Umwelt- und des Wirtschaftsministeriums von Nordrhein-Westfalen organisiert der BAV den runden Tisch zirkuläre Wertschöpfung: Hier kommen ganz unterschiedliche Akteure aus Nordrhein-Westfalen zusammen, deren Tätigkeiten die gesamte Wertschöpfungskette abdecken. Mit dabei sind Vertreter aus Verbänden, Industriebetrieben, aus Politik und Forschung. Im Austausch miteinander identifizieren sie Schnittstellen und Ansätze für eine engere Zusammenarbeit, zum Beispiel indem sie Forschungsprojekte im Bereich Sekundärrohstoffbewirtschaftung bündeln oder eine Strategie für zirkuläre Wertschöpfung in Nordrhein-Westfalen entwickeln. Außerdem sensibilisieren wir aus diesem Format heraus mehr und mehr Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft für die zirkuläre Wertschöpfung mit dem Ziel, entsprechende Konzepte in der Region zu etablieren, diese weiterzuentwickeln und Unternehmen Hilfestellungen zu bieten. RIN Stoffströme Reg i ona l es Innovat i onsnet zwerk Regionalbüro Rheinland Stand: Mai 2022

23 Abfallvermeidung als oberste Priorität In den folgenden Kapiteln zeigen wir entlang des gesamten Stoff- und Produktkreislaufs, welche Maßnahmen wir umsetzen, um die zirkuläre Wertschöpfung in Wirtschaft und Gesellschaft zu etablieren. Dabei kommen wir unserer Verantwortung nach, die sich aus der fünfstufigen Abfallhierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes ableitet: Zuallererst gilt es, Abfälle zu vermeiden. Erst danach geht es um die Wiederverwendung, das Recycling, die sonstige Verwertung und zuletzt, wenn all dies nicht möglich ist, um die Beseitigung von Abfällen. Bevor wir also neue Ansätze oder technologische Verfahren entwickeln, mit denen wir die Langlebigkeit von Produkten fördern oder Abfälle noch besser recyceln können, wirken wir darauf hin, die Entstehung von Abfall noch effektiver zu vermeiden. Insbesondere mit unseren Veranstaltungs- und Bildungsangeboten klären wir alle relevanten Zielgruppen kontinuierlich über Möglichkeiten zur Abfallvermeidung auf, zum Beispiel mit Tipps gegen die Plastikflut beim Einkauf oder mit einem Schüler-Aktionstag gegen Lebensmittelverschwendung. Vermeidung Wiederverwendung Recycling Sonstige Verwertung Abfallbeseitigung

24 Produktdesign und -herstellung – von Anfang an im Kreislauf gedacht Mit dem Design fängt alles an: Das Design eines Produkts bestimmt nicht nur, ob ein Produkt gut aussieht und praktisch ist, sondern auch, wie viele Ressourcen seine Herstellung benötigt, wie umweltfreundlich es in der Nutzung ist und – dieser Aspekt wird leider oft vergessen – was am Ende seiner Nutzung damit geschieht. Wird die Kreislauffähigkeit schon beim Produktentwurf mitgedacht, spricht man auch von „Design for Recycling“. Produkt-Designer sowie die herstellende und verarbeitende Industrie sollten sich also diese Fragen immer stellen: Wie können wir das Produkt mit möglichst wenig Ressourcen herstellen? Welche nachwachsenden oder Recyclingrohstoffe können wir einsetzen? Wie schaffen wir ein Produkt mit einer hohen Lebensdauer? Und wie stellen wir sicher, dass am Ende alle verwendeten Stoffe in den Kreislauf zurückgeführt werden können? Herstellung Produktdesign Abfälle Verwertung Sammlung Nutzung

25 Das Problem mit den Wegwerfprodukten Die Umsetzung der zirkulären Wertschöpfung scheitert oft schon im ersten Schritt, nämlich wenn das Produktdesign und die Herstellung die einzelnen Rohstoffe in vielen kleinen Elementen und Verbundstoffen verschwinden lassen. Das Problem: Diese lassen sich nach der Nutzung nicht oder nur unter sehr hohem Energieaufwand in den Kreislauf zurückführen, da die einzelnen Stoffe nicht mehr voneinander getrennt werden können oder nicht mehr zu identifizieren sind. So bleibt nur die thermische Verwertung im Müllheizkraftwerk – und zwar auch dann, wenn eigentlich recycelbare Rohstoffe eingesetzt wurden. Die Design- und Herstellungsphase ist deshalb für den Übergang zur zirkulären Wertschöpfung entscheidend. Das Design eines Produkts spielt übrigens nicht nur eine wichtige Rolle für dessen spätere Verwertung. Umweltfreundliches Design heißt auch, möglichst viele Stoffe und möglichst viel Energie aus dem Kreislauf zu nutzen – zum Beispiel, indem Reststoffe oder die Abwärme aus anderen Produktionsschritten verwendet werden. Hier wird auch schon über viele Umweltbelastungen entschieden, die das Produkt über die gesamte Nutzung verursacht. Heute werden viele Artikel als Wegwerfprodukte konzipiert und hergestellt, haben Sollbruchstellen (geplante Obsoleszenz), sind nur für den Einmalgebrauch geeignet und ihre Recyclingfähigkeit wird nicht bedacht. Auch die Verwendung von knappen Ressourcen und damit verbundene, negative ökologische und soziale Folgen in den Herkunftsländern sind keine Seltenheit. Design und Herstellung als Schlüssel Zirkuläre Wertschöpfung bedeutet vor allem Ressourcen und Energie im Kreislauf zu führen, beispielsweise für die Herstellung neuer Produkte. Waren oder Gebäude werden dabei so konzipiert, dass sie sich nach ihrer möglichst langen Nutzung zurückgewinnen, demontieren und wiederaufbereiten lassen bzw. dass sich die darin enthaltenen Rohstoffe recyceln und für neue Produkte nutzen lassen. Entsprechend berücksichtigen Design und Herstellung eines zirkulären Produkts Aspekte wie Langlebigkeit, Wiederaufbereitung, Reparierbarkeit und Abfallvermeidung. Ein Beispiel für zirkuläres Design ist die Verwendung leicht austauschbarer Akkus in Elektronikgeräten. Im zirkulären Designprozess werden Roh- und Werkstoffe eines Produkts so ausgewählt, dass sie entweder im Kreislauf geführt werden können oder biologisch abbaubar sind. Alle verarbeiteten Materialien müssen auch nach Verwendung des Produkts eindeutig identifiziert und getrennt werden können, um sie wieder dem Kreislauf zuzuführen. Hier hilft die eindeutige Kennzeichnung der verwendeten Werkstoffe im Herstellungsprozess eines Produkts mit dem Ziel einer fachgerechten Entsorgung. Im Recyclingprozess nicht trennbare Ver-

26 bundstoffe und Verklebungen sowie schlecht recycelbare Materialien sollten vermieden werden. Weiterhin hat der zirkuläre Designprozess zum Ziel, Produkte so zu entwerfen und herzustellen, dass sie sich möglichst ohne unverwertbare Nebenprodukte herstellen lassen und keine schädlichen Substanzen enthalten. Ein Beispiel hierfür ist die Verwendung von Sekundärrohstoffen für die Herstellung neuer Produkte. So ist es möglich, Abfalltonnen aus einem Granulat herzustellen, das wiederum aus alten Tonnen gewonnen wurde (Kunststoffrezyklat), oder die in der Müllverbrennung entstehende Asche für die Betonherstellung zu nutzen. Auch die Verpackung eines Produkts ist bereits Teil des Designprozesses: Diese sollte bewusst minimiert und auf Recyclingfähigkeit optimiert werden. Neben einem ökoeffizienten Design sollten auch der Vertrieb und das zugrunde liegende Geschäftsmodell an der Kreislaufführung ausgerichtet werden. So kommen in der zirkulären Wertschöpfung insbesondere Pfand- und Leihmodelle zum Tragen, die die Rückführung eines Produktes nach der Nutzung bzw. dessen optimale Auslastung fest vorsehen und unterstützen. Es geht nur gemeinsam Interaktion und Kooperation gehören zu den Kernelementen der zirkulären Wertschöpfung und sind insbesondere im Designprozess ein entscheidender Faktor. Nur wenn sich Produktdesigner mit den anderen Akteuren des Wertschöpfungskreislaufs austauschen, können sie ihre Produkte optimal an die folgenden Prozessschritte anpassen. Der BAV und seine Beteiligungen treten mit möglichst vielfältigen Partnern in den Austausch, um sie für die Anforderungen einer Kreislaufwirtschaft zu sensibilisieren und gemeinsam Umsetzungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Mit der Bergischen Ressourcenschmiede (BRS) haben wir an unserem Lehr- und Forschungszentrum :metabolon einen zentralen Anlaufpunkt für zirkuläre Wertschöpfung geschaffen. Forschung und Wissenstransfer bilden die beiden zentralen Handlungsfelder der BRS. Ziel ist es, gewonnene Erkenntnisse in nachhaltiges, unternehmerisches und gesellschaftliches Handeln umzusetzen. Bereits bei der Forschung binden wir Unternehmen ein, um praxistaugliche Lösungen sicherzustellen. So hat beispielsweise die produzierende Wirtschaft die Möglichkeit, den Prozess mitzugestalten und ihre eigenen Ideen und Umsetzungsvorschläge in die Forschung einzubringen. Von April 2021 bis Dezember 2022 befindet sich die BRS in der Pilotphase; im Anschluss soll das Projekt in die Hauptprojektphase überführt werden. Der Runde Tisch Zirkuläre Wertschöpfung NRW ist ein Netzwerk von Akteuren im Land NRW, die sich mit dem Thema ZW beschäftigen und welches von den beiden Landesministerien für Umwelt und Wirt-

27 schaft gemeinsam mit dem NRW-Projekt :metabolon initiiert wurde. Am Runden Tisch teilnehmen können Verbände, Hochschulen, Kammern, Kommunen sowie durch das Land Nordrhein-Westfalen geförderte Projekte. Ziel des Runden Tisches ist es, den Austausch der Akteure zu fördern, gegenseitige Lernprozesse anzustoßen und Kooperationen zu initiieren. Durch das intensive Mitwirken der Landesministerien dient der Runde Tisch aus politischer Sicht auch dazu, praxisrelevante Entwicklungen im Land zu identifizieren und zu kanalisieren. Erkenntnisse hieraus können u.a. Grundlagen für politische Entscheidungen bilden. Unterstützt wird der Austausch durch unterschiedliche Veranstaltungsformate. Neben dem Runden Tisch, bei dem übergeordnete Themen besprochen werden, bietet das Netzwerk die sogenannten Thementische an, bei dem es um spezifische Fragestellungen (z.B. zum Thema Elektronik, Messbarkeit der CE, Bildung, Zirkuläres Bauen). Die Konzeptionierung der Thementische ist flexibel und abhängig vom Stand des inhaltlichen Diskurses des jeweiligen Themas im Land. Sie verfolgt das Ziel themenbezogenen Aktivitäten im Land aufzugreifen, zu unterstützen und ggf. zusammenzuführen. Die Thementische identifizieren fachliche Lücken und Hinderungsgründe für die praktische Umsetzung in Bereichen der Zirkulären Wertschöpfung. Damit bilden sie eine Grundlage für die Ableitung von Erkenntnissen und Rückschlüssen, die in eine Umsetzungsstrategie für das jeweilige Thema einfließen können. Unser Fokus Für das Design und die Herstellung ist die weitere Erforschung von kreislauffähigen Produkten und den beteiligen Prozessketten ein zentrales Element. Welche Sekundärrohstoffe können in der Produktion wiederverwendet werden? Wie muss das Produkt gestaltet werden, damit es auch bei Verwendung von kompostierbaren oder recycelten Materialien alle gewünschten Eigenschaften und Qualitätsstandards erfüllt? Diesen und weiteren Fragen gehen wir nach. Einen wesentlichen Beitrag im Bereich der Forschung leistet die Forschungsgemeinschaft :metabolon, bestehend aus mehreren Fakultäten der TH Köln und externen Professoren. Der interdisziplinäre Forschungsansatz ermöglicht, dass sich die Forscher auf :metabolon mit verschiedensten, interdependenten Themen auseinandersetzen: So umfassen die Forschungsbereiche die physikalische Stoffwandlung (z. B. Umwandlung eines Stoffs durch mechanischen Druck), die thermochemische Stoffwandlung (z. B. durch Hochtemperatureinflüsse) sowie biologische und chemische Verfahren zur Stoffwandlung. Im Fokus der Forschungsgemeinschaft steht die Frage, welche Vorgehensweisen besonders effektiv sind, darunter ergeben sich unter anderem folgende Fragestellungen: Wie können Rest- und Abfallstoffe nachhaltig genutzt werden? Welche Prozessketten sind zielführend, um auf umweltverträgliche Weise die meiste Energie aus dem Ausgangsstoff zu gewinnen?

28 Konsumieren, benutzen, wegwerfen – so gehen wir als Verbraucher mit den meisten Produkten des täglichen Lebens um. Oftmals ließen sich aber Anschaffungen vermeiden oder Produkte viel länger nutzen, als das derzeit der Fall ist. Dafür müssen diese beispielsweise so hergestellt werden, dass sie langlebig und reparierbar sind. Gleichzeitig braucht es einen Bewusstseinswandel bei den Verbrauchern, das heißt: Wir lassen kaputte Gegenstände reparieren, anstatt sie zu ersetzen. Wir geben nicht mehr benötigte Dinge an andere Menschen weiter, anstatt sie wegzuwerfen. Oder wir kaufen weniger Produkte und nutzen sie stattdessen in sogenannten Sharing-Modellen gemeinsam. Genau so sind Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung angesprochen, denn das Potenzial nachhaltiger Beschaffungen durch Unternehmen, Kommunen und die öffentliche Hand ist enorm. So kommen wir einen Schritt weiter von der Linearwirtschaft zur zirkulären Wertschöpfung. Verbrauch und Nutzung – Ressourcen bewusst einsetzen Herstellung Produktdesign Abfälle Verwertung Sammlung Nutzung

29 Bewusst konsumieren statt verschwenden Für die Wirtschaft besteht der Anreiz – noch – darin, möglichst günstig zu produzieren und möglichst viel zu verkaufen. Das hat in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Wegwerfgesellschaft und zu einer Mentalität der kurzen Nutzung von Waren geführt. Oft werden Produkte nur genutzt, bis sie nicht mehr im Trend sind und dann durch neuere Modelle ersetzt. Auch wenn Produkte kaputt gehen, entsorgen wir sie oftmals. Für die ganzheitliche Umsetzung der zirkulären Wertschöpfung ist die Abkehr von dieser Wegwerfmentalität essenziell, und zwar als Zusammenspiel zwischen Industrie, Handel und Verbrauchern. Auch hier, bei der Verbrauchersensibilisierung, setzen wir an. Ansätze des zirkulären Konsums sind Sharing-Modelle, Pfandsysteme, Mehrwegprodukte und der Kauf von Secondhand-Produkten. Auch Reparaturservices von Betrieben oder Repair Cafés können die Nutzungsdauer von Produkten erheblich verlängern. Sind Produkte wirklich nicht mehr zu gebrauchen, können ihre Rohstoffe – richtig getrennt – zumindest teilweise wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden. Eine gezielte Sensibilisierung kann hier helfen, die Qualität der Mülltrennung deutlich zu verbessern und sie so kreislauffähiger zu gestalten. Damit Menschen Veränderungen akzeptieren, müssen sie zunächst die Gründe verstehen – in diesem Fall, warum sich unser Konsumverhalten ändern muss. Dafür bietet der BAV unter der Devise lebenslanges Lernen Bildungs-, Beratungs-, und Netzwerkangebote zu vielen relevanten Themen der zirkulären Wertschöpfung und für verschiedene Zielgruppen an. So erreichen wir Bürger aller Altersgruppen, ein akademisches Fachpublikum sowie verschiedene Berufsgruppen wie Landwirte oder Architekten. Die Menschen auf verschiedenen Wegen erreichen Vom Informationsstand auf Märkten oder Umweltveranstaltungen über die Bürgerhotline und digitalen Angeboten bis zu spezifischen Themen am Lernort :metabolon: Der BAV nutzt vielfältige Kommunikationskanäle und Anlässe, um über Abfalltrennung und Recycling zu informieren. Die Themen umfassen das gesamte Spektrum von Abfallvermeidung über Bioabfallentsorgung und -verwertung, Eigenkompostierung, Entsorgung und Recycling von Elektro- und Elektronikabfällen bis hin zur Schadstoffsammlung. Mit Aktionen wie dem „Bergischen Tauschrausch“ oder dem Tausch- und Verschenkemarkt „Nix kütt fott“ (rheinisch für Nichts kommt weg) möchten wir Bürger dazu motivieren, ihren nicht mehr genutzten, aber noch gebrauchsfähigen Gegenständen ein zweites Leben zu schenken. Den Tausch- und Verschenkemarkt bieten wir gemeinsam mit der AVEA GmbH & Co. KG als kostenlose Online-Gebrauchtwaren-Börse an.

30 Lernen auf :metabolon Ein Schwerpunkt von :metabolon liegt auf Weiterbildungs- und Lernmöglichkeiten für Groß und Klein zu den Themen Umwelt, Ressourcen und Energieformen der Zukunft. Durch unseren Ansatz des lebenslangen Lernens erreichen unsere Angebote auf :metabolon ein vielfältiges Publikum, das wiederum das Thema zirkuläre Wertschöpfung in die Breite der Gesellschaft trägt. Als Transfer- und Bildungsstandort von landesweiter Bedeutung werden in :metabolon nicht nur ganzheitliche Lösungen zu aktuellen Zukunftsfragen der Ressourcenwirtschaft entwickelt, sondern auch gebündelt, in transfertaugliche Bildungsformate überführt und zielgruppengerecht vermittelt. Um langfristig eine gesamtgesellschaftliche Verhaltensänderung herbeizuführen, werden unter dem Stichwort „lebenslanges Lernen“ passgenaue Informationsformate für Kindergartenkinder, über Schüler verschiedener Sekundarstufen bis hin zu Fachkräften bestimmter Berufsfelder und der allgemeinen Öffentlichkeit entwickelt und in die Praxis umgesetzt. Auch für diese Transfer- und Bildungstätigkeit wurde am Standort eine entsprechende Infrastruktur geschaffen. Sie reicht von Schulungsräumen, Außerschulischen Lernorten, Ausstellungsflächen bis hin zu Reallaboren, z.B. zum Thema Zirkuläres Bauen. Außerschulischer Lernort :metabolon Bei der Sensibilisierung für einen nachhaltigen und umweltbewussten Umgang mit Ressourcen fangen wir schon bei den ganz Kleinen an: Für Kinder und Schüler von der Vorschule bis zur Sekundarstufe II bieten wir verschiedene pädagogische Programme an. Über interaktive Veranstaltungen und Formate bieten wir ihnen so die Möglichkeit, die in der Schule gelernten theoretischen Inhalte „in echt“ nachzuvollziehen. So lernen sie beispielsweise, wie sie Abfall vermeiden können, was mit dem Abfall nach dem Wurf in die Tonne passiert und wie wir uns in Zukunft mit Energie versorgen können. Insbesondere zum Thema erneuerbare Energien haben wir am Standort :metabolon zusammen mit der Gemeinschaftsoffensive „Zukunft durch Innovation.NRW“ (zdi) das zdi-Schülerlabor MINT LAB eingerichtet. Hier können Schüler ab der 9. Klasse lernen, wie die Energieversorgung von morgen gestaltet wird und Klimaschutz in der Praxis funktionieren kann.

31 Haus der Zukunft Viele Gebäude im Bergischen Land und darüber hinaus haben durch ihre Bauweise einen hohen Energieverlust, der sich oft durch energetische Sanierungen verhindern ließe. In der Wanderausstellung des Bergischen Energiekompetenzzentrums „Das Haus der Zukunft“ können sich interessierte Bürger zu den Themen des energetischen Bauens und Sanierens informieren. Vor Ort besteht die Möglichkeit, mit einem Energieberater des Netzwerks :metabolon zu sprechen, der fachkundige Auskunft erteilt und Detailfragen klären kann. Zusätzlich bietet das Holzcluster- und BioEnergiemanagement hier zu den Themen „Bauen mit Holz“ und „Heizen mit Holz“ sowohl online als auch in präsenz Veranstaltungen an. Hier lernen die Teilnehmer, wie die Ressource Holz stofflich und energetisch sinnvoll genutzt werden kann. Der BAV als Verbraucher Das Kerngeschäft des BAV und der AVEA GmbH & Co. KG und der RELOGA Holding GmbH & Co. KG besteht in der Rückführung von Rohstoffen in den Kreislauf. Dafür benötigen auch wir Ressourcen wie Energie und Baustoffe oder Produkte wie z.B. unsere Fahrzeugflotte. Um unsere eigenen Verbräuche so gering wie möglich zu halten, stellen wir unseren Fuhrpark aktuell auf umweltfreundlichere Antriebe um. Bei der Ersatzbeschaffung von Müllsammelfahrzeugen achten unsere Beteiligungsgesellschaften AVEA GmbH & Co. KG und die RELOGA Holding GmbH & Co. KG bei Ausschreibungen auf Modelle mit einem geringen Schadstoffausstoß und einer möglichst geringen Umweltbelastung. Der Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen Antriebstechnologien prüfen wir derzeit. Für 2022 planen wir beispielsweise die Anschaffung von zwei Wasserstofffahrzeugen. Auch in der Logistik können wir Energie einsparen. Für eine möglichst effiziente Nutzung des Fuhrparks hat die AVEA GmbH & Co. KG beispielsweise den Werksverkehr von der Umschlaganlage am Entsorgungszentrum Leppe zum Müllheizkraftwerk (MHKW) Leverkusen optimiert. Zur Vermeidung von Leerfahrten transportieren die Fahrzeuge auf dem Rückweg die im MHKW erzeugte Asche zur Rostaschenaufbereitungsanlage am Entsorgungszentrum Leppe. Damit können wir durch weniger Transportfahrten Kraftstoff einsparen und so Emissionen reduzieren.

32 Um Wertstoffe am Ende eines Produktlebens weiter nutzen zu können, müssen Abfälle sortenrein gesammelt und getrennt werden. Nur so können wertvolle Ressourcen im Stoffkreislauf gehalten oder dorthin zurückgeführt werden. Recycling ist gerade in Deutschland zwar schon lange kein Fremdwort mehr, für eine Verwertung im Sinne einer „echten“ Kreislaufwirtschaft reicht unsere derzeitige Leistung jedoch nicht aus. Hierfür benötigen wir neuartige Konzepte, Technologien und Verfahren, an denen auch der BAV und die AVEA GmbH & Co. KG und die RELOGA Holding GmbH & Co. KG intensiv arbeitet. Herstellung Produktdesign Abfälle Verwertung Sammlung Nutzung

33 Stoffstromspezifische Sammlung Eine stoffstromspezifische Erfassung von Wertstoffen ermöglicht es, wertvolle Ressourcen in den Abfällen zu identifizieren, zu gewinnen und erneut zu verwenden. Heute geschieht dies im ersten Schritt durch geeignete Sammel- und Sortierinfrastrukturen, die im Bergischen Land vom BAV und seinen Beteiligungsunternehmen flächendeckend bereitgestellt und bedient werden. Die Herausforderung: Trotz aller Informationen und Aufklärungen (s. auch S. 28) sind laut einer Studie des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2020 lediglich 33 Prozent des Mülls aus den Restmülltonnen in Deutschland tatsächlich richtig sortiert; immer wieder landen auch Bioabfälle, Kunststoffe und Altpapier in der grauen Tonne. Solche falsch sortierten Wertstoffe können oft nur noch verbrannt werden und senken damit die stoffliche Recyclingquote erheblich. Um diesem Problem zu begegnen, werden zunehmend leistungsfähige Maschinen entwickelt, mit denen sich Wertstoffe effizient sortieren und so die Stoffströme optimieren lassen. Solche Maschinen sind oftmals jedoch noch nicht wirtschaftlich oder benötigen grob vorsortierte Abfälle, das heißt eine korrekte Mülltrennung in den Haushalten und die getrennte Müllsammlung sind weiterhin wichtig. Durch die falsche Trennung von Abfällen, insbesondere von Sondermüll, können überdies Gefahren auftreten, beispielsweise beim Austritt von Chemikalien in die Umwelt oder bei der Explosion von Akkus falsch entsorgter Elektroaltgeräte in der Müllverbrennungsanlage. Richtig getrennt und gesammelt lassen sich insbesondere Fraktionen wie Papier und biologischer Abfall schon heute sehr gut wiederverwerten. Bei anderen Abfällen ist dies mit größerem Aufwand verbunden; hier bedarf es für eine echte zirkuläre Wertschöpfung noch weiterer Entwicklungsarbeit. Im Bergischen Land sammelt und erfasst der BAV gemeinsam mit seinen Beteiligungen die Abfallfraktionen Altglas, Bioabfall, Elektroschrott, Gelber Sack / Gelbe Tonne, Papier und Pappe, Restmüll, Sonderabfall, Sperrmüll und Alttextilien / Schuhe. Um den Bürgern die Trennung ihrer Abfälle so einfach wie möglich zu machen, bieten wir neben der Abholung des Mülls vor der eigenen Haustüre ein breites Angebot an zusätzlichen Sammel- und Abgabestellen. Neben unseren Wertstoffhöfen bieten wir seit 2012 ein flächendeckendes Sammelsystem für Alttextilien und Schuhe. Darüber hinaus betreiben wir verschiedene Sammel- und Übergabestellen für Elektroaltgeräte sowie ein Schadstoffmobil.

34 Wertschöpfung ohne Abfall Die stoffliche, energetische oder sonstige Verwertung von Abfällen bedeutet für Abfallwirtschaftsunternehmen marktwirtschaftliche Möglichkeiten mit unterschiedlichen Perspektiven. Grundsätzlich gilt: Je besser die Abfälle nach einzelnen Bestandteilen getrennt sind, desto besser lassen sich die Abfallfraktionen wieder in den Wertschöpfungskreislauf zurückführen und so vermarkten. Die mechanische Aufbereitung ist der erste Prozessschritt für das Recycling von Abfällen im Sinne der zirkulären Wertschöpfung. Dabei werden biogene Reststoffe von anderen Abfallfraktionen getrennt. Sie können vergärt und als Biomasse zur Energieerzeugung verwendet werden. Auch der kommunal gesammelte Sperrmüll und richtig getrennte gewerbliche Abfallgemische können gut verarbeitet werden. In der Rohstoffrückgewinnungsanlage Bockenberg gewinnt die AVEA GmbH & Co. KG aus ihnen verwertbare Materialien wie Holz, Metall, Kunststoffe, Papier und mineralische Stoffe. Diese führen wir separiert in die Stoffkreisläufe zurück und können somit die Ressource Abfall für diese Fraktionen bestmöglich nutzen. Auch Bioabfälle lassen sich durch Vergärung und Kompostierung effizient weiterverarbeiten. In unserer Vergärungs- und Kompostierungsanlage werden neben Kompost auch Flüssigdünger hergestellt. Das im Vergärungsprozess entstehende Biogas fangen wir auf und erzeugen damit in Blockheizkraftwerken Strom und Wärme. Diese mehrstufige Verwertung wird als Kaskadennutzung bezeichnet und bietet deutliche ökonomische und ökologische Vorteile gegenüber einer „einfachen“ Verwertung ausschließlich durch Kompostierung. Um den Wirkungsgrad der Vergärungs- und Kompostierungsanlage weiter zu erhöhen, planen wir, das Blockheizkraftwerk 3 zu modernisieren. Grünabfälle, also zum Beispiel Grünschnitt oder andere Garten- und Parkabfälle, verarbeiten wir je nach Zusammensetzung: Aus den holzigen Anteilen entsteht klimaneutraler Brennstoff, der krautige Teil geht in die Kompostierung. Die nicht wiederverwendbaren Restabfälle aus der Region werden im Müllheizkraftwerk Leverkusen thermisch verwertet. Die dabei freigesetzte Energie wird in Strom und Fernwärme umgewandelt. Die zurückbleibende Rostasche wird unter anderem durch die refer GmbH, an der die AVEA GmbH & Co. KG beteiligt ist, in hochspezialisierten Anlagen aufbereitet. Dabei gewinnen wir nicht nur wertvolle Metallanteile zurück, sondern minimieren auch den Deponiebedarf. Papier-, Papp- und Kartonage-Abfälle sammeln wir ebenfalls sortenrein und vermarkten sie an die Papierindustrie weiter, die daraus Recyclingpapier herstellt. Auch Altpapier ist somit eine wertvolle Ressource, die wir in den Stoffkreislauf zurückführen.

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