Circular Economy Forum 2025 – Das Bergische Rheinland als Impulsgeber - für eine zukunftsfähige Kreislaufwirtschaft

Beim diesjährigen Circular Economy Forum konnten die Initiatoren in Köln am 1. Juli herausragende Projekte zur Kreislaufwirtschaft auszeichnen. Die Veranstaltung fand bereits zum 5. Mal auf Initiative der IHK Köln, des VDI und VDE, der Effizienzagentur NRW  und :metabolons statt.


Am Vormittag ging es zunächst von Köln aus auf Exkursion zum Innovationsstandort :metabolon in Lindlar. Dort erfuhren die Kreislaufwirtschaftsexperten, wie Forschung und Wissenstransfer Hand in Hand gedacht werden und zusammenarbeiten. Forscher der TH Köln berichteten an ihren Anlagen auf dem weitläufigen :metabolon-Gelände über die aktuellen Vorhaben und Ergebnisse in beispielsweise den Bereichen Pyrolyse, Wasserstoffgewinnung und Bauschuttaufbereitung. Ziel der vielfältigen Forschungsprojekte der Wissenschaftler ist die stoffliche und energetische Verwertung von Rest- und Abfallstoffen unter Einsatz innovativer Verfahren, wobei das übergeordnete Ziel das Schließen von Stoffkreisläufen ist. So wird auf dem Gelände :metabolon die Idee der "zirkulären Wertschöpfung" umgesetzt, das heißt die gesamtheitliche Betrachtung von Prozessketten steht im Fokus der Forscher. 

Weiterer Bestandteil der umfangreichen Exkursion war der Besuch der interaktiven Ausstellung „linear wird zirkulär“, die dem Besucher anschaulich den Transformationsprozess von einer linearen hin zu einer zirkulären Wertschöpfung. Der Besucher betritt die interaktive Ausstellung in der „linearen“ Welt und arbeitet sich weiter in die „zirkuläre“ Welt vor. Mittelpunkt der Ausstellung ist eine Drehscheibe, an der zirkuläre Produkte von Unternehmen aus der Region präsentiert werden. An den verschiedenen Segmenten des Produktkreislaufs (Design, Produktion, Handel, Konsum, Entsorgung) werden die zirkulären Ansätze des jeweiligen Produktes erklärt und dargestellt. Insbesondere dieses Ausstellungsmodul zeigt: Zirkuläre Wertschöpfungsketten stehen bereits stark im Fokus der Region. Natürlich konnten die Besucher sich hier direkt ausprobieren.

Zum Schluss erhielten die Besucher noch Einblicke in die Arbeit des Außerschulischen Lernortes und beendeten die Exkursion mit der Abfahrt auf der Doppelrutsche am Standort.

Im Zentrum der Veranstaltung am Nachmittag standen praxisnahe Lösungen aus Unternehmen sowie kreative Ansätze von Auszubildenden, die eindrucksvoll zeigen, wie zirkuläres Wirtschaften in der Realität funktioniert. Am Vormittag gab es Exkursionen, nachmittags nach einer Keynote der TV-Journalistin und Physikerin Kristina zur Mühlen noch Fachsessions.

Höhepunkt des Forums war am späten Nachmittag das Finale des bundesweiten Wettbewerbs Going Circular 2025 und die Ehrung der diesjährigen Circularity Scouts im Beisein von NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, die auch Schirmfrau des Forums ist. „Wir müssen gemeinsam dafür Sorge tragen, dass Kreislaufwirtschaft aus der 80er-Jahre-Holzregal-Anmutung herauskommt. Circular Economy ist High-Tech. Wir wollen die Region sein, die innovationsgetrieben durch Circular Economy ihre Widerstandsfähigkeit erhöht“, sagte sie.

Sieben Unternehmen präsentierten bei „Going Circular“-Finale ihre innovativen Ideen für eine nachhaltige Wertschöpfung – von intelligentem Recycling über Abfallvermeidung bis hin zur ressourcenschonenden Produktion.

Darunter waren auch solche aus dem Oberbergischen Kreis, dem Rheinisch-Bergischen Kreis und dem Rhein-Sieg-Kreis, was die Innovationskraft unserer Region nochmals besonders unterstreicht.

Zu den Platzierungen im Unternehmenswettbewerb Going Circular:

Platz 1 holte sich Omnivore Recycling (Hermetia Tech GmbH) aus Aachen. In dem Unternehmen werden Lebensmittelreste an Insektenlarven verfüttert. Diese Larven werden dadurch zu hochwertigem Futter für Tiere wie Schweine, Hühner oder Fische. Dadurch lässt sich die Überfischung der Ozeane oder die Abholzung des Regenwaldes für die Produktion von Futtermitteln (Fischmehl, Soja) eindämmen.

In diesem Jahr entschied sich die Fachjury für zwei zweite Plätze. Die silver plastics GmbH & Co. KG aus Troisdorf (verarbeiten recycelten Kunststoff und stellen daraus Verpackungen für Lebensmittel her, z.B. für Fleisch oder Fisch) und die TRIQBRIQ AG aus Stuttgart (haben ein Alternative zu Ziegelsteinen aus Holz entwickelt) teilen sich den Vize-Titel. TRIQBRIQ gewann auch den Publikumspreis.

Auch der Nachwuchs zeigte in diesem Jahr wieder, wie Kreislaufwirtschaft gelebt werden kann. Die Teams präsentierten im Rahmen der Initiative „Circularity Scouts 2025“ ihre Projekte vor einer Fachjury. Die Auszubildenden stellten konkrete Maßnahmen zur Förderung zirkulärer Prozesse in ihren Betrieben vor.

Platz 1 geht an die Obi Services GmbH in Wermelskirchen. Das Team hat das Projekt „Zweite Chance für Elektrogeräte bei OBI“ entwickelt. Ziel ist der gezielte Aufbau einer systematischen Wiedervermarktung instandgesetzter Geräte.

Auch hier gab es einen geteilten zweiten Platz. Sie gehen an die Der Grüne Punkt GmbH aus Köln (neue Produkte entstehen durch ein Material, dass beim Recycling von Müll anfällt) und die Sarstedt AG aus Nümbrecht (CO2-Einsparungsprozess durch Materialeinsparung bei der Herstellung von Spritzen).

Mit Troisdorf, Wermelskirchen und Nümbrecht sing also die Hälfte der Preise ins Bergische Rheinland – was für ein Zeichen.

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und IHK-Vizepräsident Hendrik Pilatzki übergaben alle Preise zusammen mit Monika Lichtinghagen-Wirths, Geschäftsführerin des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes und Projektleiterin von :metabolon.

In ihrer Rede betonte die Ministerin den Mut zur Zukunft, der von den Ideen und konkreten Maßnahmen, die präsentiert wurden, ausgeht und weit über die Grenzen NRWs den Willen zur erfolgreichen Transformation signalisiert. „So kann Deutschland wieder eine wirtschaftliche Führungsrolle einnehmen“, betonte sie.

„Der mittlerweile ins fünfte Jahr gehende Wettbewerb zeigt immer deutlicher, dass die Lösungen für unsere Rohstoffknappheit meist sehr nahe liegen und auch für unsere Unternehmen in wertvolle Geschäftsmodelle münden können“ freute sich auch Monika Lichtinghagen-Wirths über die „genialen Ideen“ der Teilnehmer.

Am Innovationsstandort :metabolon arbeitet man an genau diesen Themen und Fragestellungen, sodass das Format der IHK von hier aus gerne unterstützt wird. Neben den verschiedensten Netzwerktätigkeiten und der Arbeit der Forschungsgemeinschaft am Standort.