Teilprojekt :brs - Raumwirkung

Wie wirkt zirkuläres Bauen auf den Menschen?

Die Wiederverwendung und das Recycling von Baustoffen und Bauteilen sind wichtige Bausteine für nachhaltiges Bauen. Sie schonen Ressourcen, reduzieren Abfälle und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz. Gleichzeitig bieten sie wirtschaftliche Vorteile und schaffen neue Möglichkeiten für eine nachhaltige Baukultur.

Warum werden gebrauchte Bauteile noch zu selten eingesetzt?

Obwohl die Potenziale groß sind, werden wiederverwendete Bauteile in der Praxis bislang nur selten eingesetzt. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Wahrnehmung vieler Menschen: Gebrauchte Bauteile werden häufig automatisch mit einer geringeren Qualität verbunden – unabhängig davon, ob sie technisch einwandfrei sind.

Bisher gibt es kaum wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie sich diese Einstellung auf das Verhalten der Nutzer*innen auswirkt oder wie Räume mit wiederverwendeten Bauteilen tatsächlich wahrgenommen werden.

Der Mensch im Mittelpunkt

Das Forschungsprojekt stellt den Menschen und seine Wahrnehmung von Räumen in den Mittelpunkt. Es untersucht, wie Architektur und Raumatmosphäre das Wohlbefinden beeinflussen und welche Rolle nachhaltige, kreislauffähige Bauweisen hierbei spielen.

Dabei geht es unter anderem um Fragen wie:

  • Wie erleben Menschen Räume, die mit wiederverwendeten Bauteilen gestaltet wurden?
  • Fühlen sie sich dort genauso wohl wie in konventionell errichteten Gebäuden?
  • Welche Auswirkungen haben Materialwahl und Raumgestaltung auf Komfort, Kreativität und Produktivität?

Raumwirkung wissenschaftlich messen

Um diese Fragen zu beantworten, werden verschiedene wissenschaftliche Methoden miteinander kombiniert. In Befindlichkeitsstudien wird untersucht, wie Menschen auf nachhaltige Architektur und wiederverwendete Bauteile reagieren.

Dazu gehören beispielsweise:

  • die Erfassung biometrischer Daten wie Herzfrequenz, Blutdruck oder Hautleitfähigkeit,
  • Fragebögen zur persönlichen Wahrnehmung,

      =>  den aktuellen Fragebogen finden Sie hier [wir freuen uns, wenn sie unsere Forschung unterstützen :-) ]

  • Eye-Tracking zur Analyse der Blickbewegungen,
  • Videoanalysen sowie
  • Messungen von Licht und Farbe.

Durch die Kombination dieser Daten lässt sich die Wirkung unterschiedlicher Raumkonzepte objektiv untersuchen.

Vergleich nachhaltiger und konventioneller Gebäude

Die Untersuchungen finden sowohl in Demonstrationsgebäuden für zirkuläres Bauen als auch in bestehenden Räumen aus Recyclingbaustoffen am Innovationsstandort :metabolon statt. Zum Vergleich werden ähnliche Untersuchungen in konventionell errichteten Gebäuden durchgeführt – unter anderem im InnovationHub Bergisches RheinLand in Gummersbach.

So können Unterschiede in der Raumwirkung systematisch erfasst und ausgewertet werden.

Mehr Wissen für die Planung der Zukunft

Ziel des Forschungsprojekts ist es, den Zusammenhang zwischen Raumgestaltung, Wohlbefinden und biophysiologischen Reaktionen besser zu verstehen. Langfristig soll untersucht werden, wie sich nachhaltige Architektur auf Komfort, Gesundheit, Kreativität und Produktivität auswirkt.

Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in neue Planungs- und Gestaltungsmethoden ein. Sie sollen sowohl Architekt*innen als auch Planende  dabei unterstützen, Gebäude zu entwickeln, die ressourcenschonend sind und gleichzeitig den Bedürfnissen der Menschen gerecht werden. 

Weiterhin fließen die Erkenntnisse sowohl in die Forschung als auch in die Lehre ein, wo sie zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung des Fachgebiets sowie zur praxisnahen Qualifizierung von Studierenden beitragen.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Informationen zu den Fotos: »Co-ownership of Action: Trajectories of Elements«, Exhibition of Japan at the 17th International Architecture Exhibition - La Biennale di Venezia, 2021. Foto: Carolin Höfler.