Was haben Kartoffeln, Yoghurtbecher, Würmer, Origami und Schubkarren gemeinsam?

(1. April 2010) Auf diese Frage könnte man viele Antworten geben, was auch schon in die richtige Richtung geht. Jedenfalls fanden alle diese Dinge, Lebewesen und Vehikel Verwendung bei der Erprobung des neuen Außerschulischen Lernortes auf dem Entsorgungszentrum Leppe in Lindlar am 23. März 2010.
Neun Studenten vom Institut Didaktik der Biologie der Goethe-Universität Frankfurt erprobten unter der Leitung ihrer Dozentin, Frau Dr. Annette Scheersoi, neue Formen des außerschulischen Lernens, die sie im Rahmen eines Seminars im vergangenen Wintersemester an der Universität Frankfurt erarbeitet hatten. Dabei richteten sie ihr Augenmerk auf eine möglichst vielschichtige Wissensvermittlung, so dass den Schülerinnen und Schülern wahlweise sowohl technisch orientierte Lernstationen als auch spielerisch-künstlerische Angebote zur Verfügung standen. Für die nötige Kundenorientierung sorgten 28 SchülerInnen der Klasse 6 des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums aus Rösrath mit Ihren Lehrerinnen Frau Dürkop und Frau Verroul. Das Gymnasium ist neben drei weiteren Schulen Kooperationspartner des BAV im Hinblick auf die Nutzung der neuen Außerschulischen Lernangebote auf der Leppe. Interessiert erprobten die Jugendlichen alle Lernstationen und gaben über einen Fragebogen und kurze Interviews mit Frau Dr. Scheersoi Rückmeldung von ihren Eindrücken.

An der Station Papier falten Schüler Origami.An der Station Papier falten Schüler Origami. Schüler schöpfen selbst <br>
Recyclingpapier.Schüler schöpfen selbst
Recyclingpapier.


Beim Themenbereich Recycling konnte z.B. aus alten Zeitungen neues Papier hergestellt oder alternativ die japanische Kunst des Papierfaltens – Origami – erlernt werden. Ein Quiz diente der vertieften Wissensvermittlung. Auch bei der Lernstation zur Energieerzeugung standen technisch ausgerichtete Versuche wie der Bau einer “Kartoffelbatterie“ und wahlweise das kreative Gestalten einer Batteriesammelbox auf dem Programm.

Schüler bauen eine Apfelbatterie.Schüler bauen eine Apfelbatterie. Kreative Gestaltung von Sammelboxen Kreative Gestaltung von Sammelboxen

Im „Leppe-Shop“ ging es darum, umweltbewusst einzukaufen und Abfallvermeidung direkt beim Einkauf zu praktizieren. Mit Eifer diskutierten die Schüler, welche Verpackung am umweltfreundlichsten ist – wenn sie schon unvermeidlich ist.

Diskussion an der Station AbfallvermeidungDiskussion an der Station Abfallvermeidung Einkauf im Leppe ShopEinkauf im Leppe Shop

Das Thema Kompostierung wurde selbstverständlich auch intensiv behandelt. Die Schülerinnen und Schüler informierten sich über den richtigen Aufbau eines Komposters. Für den Klassenraum wurde gemeinsam eine Minikompostkiste gebaut. Selbst aus dem Kompost gesammelte Tierchen wie z.B. Würmer und anderes hilfreiches Kleingetier wurde unter der Lupe beobachtet und gezeichnet.

Bestimmung von Kompostieren mit der Lupenlampe
Bestimmung von Kompostieren mit der Lupenlampe Der Bestimmungsschlüssel <br>
hilft weiter.Der Bestimmungsschlüssel
hilft weiter.


Eine Müllsortier-Staffel stand am Ende des hoffentlich interessanten Vormittags. Mit Ehrgeiz und viel Spaß traten zwei Mannschaften gegeneinander an und ordneten mit Hilfe ihres Teams Müllsorten den Abfallentsorgungswegen zu. Die Auflösung brachte so manche Überraschung und wichtige Erkenntnis über die richtige Entsorgung ans Licht.

Anfeuernde Rufe bei der<br>
 MüllsortierstaffelAnfeuernde Rufe bei der
Müllsortierstaffel
Zwei Mannschaften: Wer sortiert den Müll am schnellsten und am besten?Zwei Mannschaften: Wer sortiert den Müll am schnellsten und am besten?

Abfallberater Volker Dichmann zeichnet die Schüler mit Urkunden aus.Abfallberater Volker Dichmann zeichnet die Schüler mit Urkunden aus.

Der ungewöhnliche Lerntest war der mittlerweile sechste dieser Art. Neben der Uni Frankfurt konnte der BAV bereits die Pädagogische Hochschule Heidelberg und die Deutsche Sporthochschule Köln als Kooperationspartner gewinnen. Ziel ist es, auf dem Entsorgungsstandort Leppe eine Lernlandschaft aufzubauen, die selbständiges Erkunden und handlungsorientiertes Lernen ermöglicht. Das Angebot wird modular aufgebaut sein und sich didaktisch insbesondere an die 3-4 Klassen der Grundschulen und die Sekundarstufe I weiter führender Schulen richten.

Im Unterschied zum schulischen Lernen z.B. mittels Büchern oder Filmen bieten Außerschulische Lernorte authentische Einblicke in aktive Technik und Informationen aus erster Hand. Schon die Größe des Entsorgungszentrums mit den ehemaligen Deponieflächen und der laufende Anlagenbetrieb faszinieren alle Besucher. Nach den Sommerferien wird das Außerschulische Lernangebot durch ein neues Gebäude komplettiert, das den Schülern witterungsunabhängig Raum zur Vertiefung des Wissens und für interessante Experimente bietet. Der Ausbau des Außerschulischen Lernortes ist Teil des Projektes Zukunft Leppe :metabolon im Rahmen der Regionale 2010 und wird mit öffentlichen Fördermittel unterstützt.