Altkleidersammlung - ein Problem!?
Ca. 960.000 Tonnen Altkleider werden in Deutschland über caritative und gewerbliche
Organisationen gesammelt. Durchschnittlich 15 Kleidungsstücke pro Jahr gibt jeder
Einwohner in eine Sammlung.
Was danach mit den Sachen passiert, ist kaum jemandem bekannt. Eine bundesweite
Befragung von Sammelorganisationen durch zehn Verbraucher-Zentralen ergab, daß die meisten
kommerziellen Sammler und gemeinnützigen Organisationen den Weg der Altkleider nicht kennen
oder nicht bekannt geben. Von den genannten Zielgebieten, in die die Sammelware geliefert
wird, standen Osteuropa, gefolgt von Afrika auf den ersten Plätzen. Dieses Ergebnis deckt sich
mit anderen Studien, durch die aufgedeckt wurde, daß ein Großteil der deutschen Altkleider in
afrikanische oder osteuropäische Länder exportiert und dort weiterverkauft wird.
Diese Exportpraxis bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt vor Ort.
Da unsere alten Kleider dort billiger sind, gehen im Schneiderhandwerk und bei den Zulieferern Arbeitsplätze verloren.
Die Weitergabe gut erhaltener Alttextilien vor Ort, an Kleiderkammern, Second-Hand-Läden
oder der Verkauf über Flohmärkte ist sinnvoller, weil die Textilien keine weiteren Wege
zurücklegen müssen.
Das so viele Altkleider in Deutschland gesammelt werden hat direkt etwas mit unserem
Konsumverhalten zu tun. Werden in Deutschland ca. 25 kg Kleidung pro Jahr gekauft sind es
im Weltdurchschnitt ca. 7 kg.
Wer häufiger mal Abwechslung im Kleiderschrank will, könnte im Freundeskreis mal eine
Kleidertausch oder eine Verschenkaktion durchführen. Warum wird die Weitergabe von Textilien
nicht als etwas völlig Normales -wie bei Baby- und Kinderkleidung - angesehen, wo doch die
Mode schneller wechselt als die Kinder wachsen?