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12.04.2019

Ressourcenrückgewinnung aus Deponien zur
Unterstützung einer neuen Kreislaufwirtschaft

Der Bergische Abfallwirtschaftsverband (BAV) beschäftigt sich mit seinem Projekt :metabolon im Interreg NWE Projekt RAWFILL (gefördert vom Europäischen Fond für regionale Entwicklung) zusammen mit 7 europäischen Projektpartnern aus Belgien, Frankreich und Großbritannien mit der Ressourcenrückgewinnung aus Deponien zur Unterstützung einer neuen Kreislaufwirtschaft.

Schätzungen zu Folge liegen wertvolle Ressourcen, wie Rohstoffe und Energieträger ungenutzt in etwa 100.000 Deponien in Nordwesteuropa. Viele dieser Deponien befinden sich in unmittelbarer Nähe zu dicht besiedelten Gebieten, wodurch ein besonderer Bedarf für die Rückgewinnung von Land und Ressourcen gegeben ist. Hierbei besteht bei der Rückgewinnung jedoch immer noch eine immense technische Herausforderung. Im Projekt RAWFILL wird der BAV / :metabolon, in enger Kooperation mit den europäischen Projektpartnern, Deponiebesitzer und Deponiebetreiber bei einer zukunftsgewandten und effizienten Rückgewinnung von Ressourcen unterstützen.  

Die meisten der 100.000 Deponien in Nordwesteuropa wurden vor der EU-Deponierichtlinie errichtet und sind nicht auf dem neusten Stand der Deponietechnik, wodurch es zu lokalen Umweltbelastungen, Nutzungsbeschränkungen und Emissionen von Treibhausgasen mit globaler Auswirkung kommen kann. Jedoch können die Auswirkungen auf die Umwelt durch eine verantwortungsbewusste Deponienachsorge, wie sie beispielsweise für die Öffentlichkeit im Projekt :metabolon veranschaulicht wird, minimal gehalten werden. Die Deponienachsorge erstreckt sich meist über lange Zeiträume und kann hohe Kosten verursachen. Eine wirtschaftliche Alternative hierzu können Projekte zur Ressourcenrückgewinnung aus Deponien bieten. Allerdings besteht noch ein hohes Risiko bei der Rentabilität solcher Projekte, da derzeit noch verlässliche und auf die Wirtschaftlichkeit bezogene Daten über das Rückgewinnungspotenzial von Ressourcen aus Deponien fehlen.

Die bisher vorhandenen Bestandsaufnahmen von Deponien sind unvollständig und meist ist kein geeigneter Datensatz mit Bezug zu ungenutzten Ressourcen aus Deponien vorhanden, der es Investoren ermöglicht eine robuste Bewertung  zur Machbarkeit einer profitablen Ressourcenrückgewinnung an einer ausgewählten Deponie vorzunehmen. Erschwert werden Projekte zur Ressourcenrückgewinnung zudem durch die teuren herkömmlichen Methoden zur Erkundung von Deponien, da sie die Analyse zahlreicher Bohrkerne aus dem Deponiekörper erfordern. Darüber hinaus gibt es keine Standardmethode mit der sich Deponien im Hinblick auf das Ressourcenpotenzial, die Standortbedingungen, das Deponieumfeld und verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte bewerten lassen und die es erlaubt eine profitable Deponie zur Ressourcenrückgewinnung herauszusuchen.

Hier soll das Kooperationsprojekt RAWFILL unter Beteiligung von BAV / :metabolon auf europäischer Ebene mehr Klarheit schaffen. In RAWFILL erarbeiten die Projektpartner neue Leitfäden, Arbeits- und Entscheidungshilfen und einen erweiterten Wissensstand zur Ressourcenrückgewinnung aus Deponien, um eine neue Kreislaufwirtschaft zu unterstützen. Außerdem werden unter Beteiligung von :metabolon die wissenschaftliche Weiterbildung im Bereich der Ressourcenrückgewinnung abgedeckt und ein europäischer Wissenstransfer durch die Initiierung und Organisation von Facharbeitsgruppen sichergestellt. Zusätzlich wird in Pilotversuchen auf mehreren europäischen Deponien die Anwendung der Arbeits- und Entscheidungshilfen und die daraus resultierende Wertschöpfung erprobt und demonstriert.   

Im Projekt werden Deponien anhand vorhandener Daten und Erkundungen vor Ort analysiert. Dazu gehören die Art von nutzbaren Abfällen, deren Menge und Einbauort in der Deponie sowie der Deponiezustand bezüglich Deponiegas und Sickerwasser. Die Erkundung vor Ort basiert auf den bereits vorhandenen Informationen und wird mit einer innovativen Kombination leistungsstarker und kosteneffektiver geophysikalischer Methoden  und einer zielgerichteten Beprobung des Abfalls durchgeführt. Der innovative geophysikalische Ansatz von RAWFILL soll es ermöglichen Deponien durch großräumige und nicht invasive Erkundungen zu charakterisieren, um Kosten für Vorsondierungen zu reduziert und umfangreiche auf die Wirtschaftlichkeit bezogene Daten für Deponiestandorte zu gewinnen.

Die Arbeitsschritte umfassen dabei:

1. Beschreiben

Mit dem RAWFILL Bezugssystem zur erweiterten Deponiebestandsaufnahme (Enhanced Landfill Inventory Framework – ELIF) wird jede Deponie anhand homogener Zonen mit spezifischen Charakteristika in Bezug auf Geometrie, Dichte, Wassergehalt und relevanter Informationen über den Gehalt an Rohstoffen, wie beispielsweise Metallen, organischen Reststoffen und Plastik, beschrieben. RAWFILL stellt mit dem Bezugssystem zur erweiterten Deponiebestandsaufnahme somit einen unterstützenden Datensatz bereit, um Deponiebesitzern und Deponiebetreibern die Wertschöpfung aus Deponien aufzuzeigen.

2. Priorisieren

In RAWFILL wird eine verlässliche Entscheidungshilfe (Decision Support Tool-DST) zur Einstufung von Deponien entwickelt. Die Einstufung der Deponien erfolgt durch die RAWFILL Entscheidungshilfe in Anlehnung an Nachhaltigkeitsprinzipien und wirtschaftliche, ökologische, soziale und technische Besonderheiten. Hierdurch ergibt sich die Möglichkeit Projekte zur Ressourcenrückgewinnung aus Deponien einzuschätzen und ein geeignetes Projekt nach Priorität auszuwählen.

3. Zurückgewinnen

Rohstoffrückgewinnung, Schonung fossiler Ressourcen und Reduzierung von Treibhausgasemissionen tragen insgesamt zu einer lokalen Wertschöpfung mit Schaffung von Arbeitsplätzen und innovativer industrieller Entwicklung bei. Darüber hinaus werden die Kosten der Deponienachsorge reduziert. 

4. Wiederverwerten

Rohstoffe, Energie und Land werden durch die Ressourcenrückgewinnung wieder in die Wirtschaft zurückgeführt. Zusätzlich wird der ökologische Zustand von Gewässern, Böden und der Luft an den ehemaligen Deponiestandorten verbessert.

Somit werden in RAWFILL die Arbeitsschritte  Identifizieren, Beschreiben, Priorisieren, Zurückgewinnen und Wiederverwerten in einem integrierten Projekt zur Ressourcenrückgewinnung aus Deponien vereint, sodass Interessensvertreter und Behörden bei ihrer Entscheidungsfindung zur Initiierung von profitablen Projekten unterstützt werden.

Das Projekt RAWFILL läuft unter Beteiligung von BAV / :metabolon bereits seit März 2017 und erfreut sich positiver Resonanz aus europäischen Fachkreisen. Bis Ende 2020 ist es das Ziel von RAWFILL, Wissen und Arbeitshilfen für die Einstufung von Deponien öffentlich bereitzustellen und unter realen Bedingungen die geophysikalischen Methoden zur Auswahl profitabler Projekte für die Ressourcenrückgewinnung aus Deponien zu demonstrieren, sodass künftig in Deponien ruhende Rohstoffe, Energieträger und Landressourcen zurückzugewonnen werden können.

Die hohe Bedeutung von Ressourcenrückgewinnung aus Deponien im europäischen Raum zeigt sich außerdem durch die EU-Förderung weiterer Netzwerke und Projekte zur selben Thematik, wie das Trainingsnetzwerk für Doktoranden ETN-NEW-MINE für innovative Technologien der Ressourcenrückgewinnung aus Deponien und das europäische Netzwerk EURELCO zur Förderung des Wissensaustauschs auf demselben Gebiet zwischen Forschungsinstitutionen und Unternehmen.  RAWFILL, EURELCO und ETN-NEW-MINE arbeiten eng verknüpft zusammen und so ist es selbstverständlich, dass BAV / :metabolon in allen drei Projekten mitarbeiten und die Ressourcenrückgewinnung aus Deponien für die Zukunft mitgestalten.  

Ansprechpartner:

Dr. Pascal Beese-Vasbender

Technische Leitung

 

Bergischer Abfallwirtschaftsverband

Braunswerth 1-3

51766 Engelskirchen

 

Telefon: 02263-805-546

Telefax: 02263-805-590

 

E-Mail: pbv@bavmail.de

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