SeDiGaM – Wenn Deponien lernen, fürs Klima zu arbeiten
Tief im Inneren der Zentraldeponie Leppe passiert etwas, das man nicht sieht, aber deutlich spürt. Millionen Tonnen Abfall lagern hier seit Jahrzehnten. Und obwohl kein Sauerstoff mehr in den Deponiekörper gelangt, ist er alles andere als tot. Mikroorganismen arbeiten unermüdlich im Verborgenen und bauen organische Stoffe ab. Dabei entsteht Methan.
Methan ist ein unsichtbares Gas – aber mit gewaltiger Wirkung. Es besitzt ein rund 28-fach höheres Treibhauspotenzial als Kohlendioxid. Gelangt es unkontrolliert in die Atmosphäre, beschleunigt es den Klimawandel massiv. Doch Methan ist nicht nur Problemstoff – es ist auch Energiequelle. Richtig genutzt, kann es Strom, Wärme oder sogar Wasserstoff liefern. Genau hier setzt unser Projekt an.
Zwischen Klimarisiko und Energiequelle
Auf der Leppe wird das entstehende Deponiegas über 114 Gasbrunnen abgesaugt. Ziel ist es, möglichst jedes Molekül Methan sicher zu erfassen. Doch die Methanbildung folgt keinem starren Plan. Sie ist das Ergebnis eines empfindlichen biologischen Gleichgewichts, das sich ständig verändert – abhängig von Temperatur, Luftdruck und chemischen Prozessen im Inneren der Deponie.
Wird zu wenig abgesaugt, entweicht Methan. Wird zu stark abgesaugt, kann Sauerstoff eindringen – und die Methanbildung kommt zum Erliegen. Es ist ein Balanceakt zwischen Klimaschutz und Energiegewinnung. Bislang erfolgt diese Steuerung manuell mit viel Erfahrung, Fingerspitzengefühl und regelmäßigen Kontrollen. Doch in einem so komplexen System stoßen selbst erfahrene Fachleute an Grenzen.
Die nächste Stufe: Ein lernendes System
Mit dem Projekt „NKI: Selbstlernendes Deponiegas-Management (SeDiGaM)“ schlagen wir ein neues Kapitel auf.
Durch den Einsatz von maschinellem Lernen, moderner Gasanalytik und Wetterprognosen entsteht ein intelligentes System, das Zusammenhänge erkennt, Muster analysiert und aus jedem Tag dazulernt. Es versteht, wie sich Methanbildung unter verschiedenen Bedingungen entwickelt – und passt die Gasabsaugung automatisch und vorausschauend an.
Schneller als ein Mensch reagieren könnte. Präziser als jede manuelle Einstellung. Und rund um die Uhr.
Mehr Klimaschutz. Mehr Energie. Mehr Zukunft.
SeDiGaM sorgt dafür, dass:
- Methanemissionen konsequent minimiert werden,
- die Energieausbeute aus Deponiegas maximiert wird,
- und ein bestehender Deponiestandort aktiv zum Klimaschutz beiträgt.
Digitalisierung, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft greifen hier ineinander und zeigen, wie selbst jahrzehntealte Infrastruktur intelligent in die Zukunft geführt werden kann.