Stadtluft macht frei. Landluft gesund

(28. September 2016) Karl Feldkamp las Geschichten von Stadt und Land
Im Herrenzimmer der Fabrikanten-Villa, die einst Friedrich Engels Vater erbaute und jetzt dem Bergischen Abfallverband als Sitz dient, las Autor Karl Feldkamp eigene Erzählungen vom Stadt- und Landleben.

Ein aufmerksames Publikum aus vielen Teilen des Bergischen Landes verfolgte Feldkamps Erzählungen unter dem Gesamttitel „Stadtluft macht frei, Landluft gesund“. Zwei Stadtgeschichten las er aus seinem Buch „AngstAugen“, das er bereits 1997 schrieb. Für seine Landgeschichten sucht er noch einen Verlag.

In der ersten Stadt-Erzählung setzen sich zwei Mütter erfolgreich für den Bau eines Kinderspielplatzes ein. Die eine, verlor ihren Sohn im Balkankrieg im ehemaligen Jugoslawien. Der Sohn der anderen Mutter, einer Deutschen, kam in Köln bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Zur Erinnerung an ihre Söhne versuchen die beiden Frauen, einen „Platz der unschuldigen Kinder“ als Spielplatz durchzusetzen. Nach Überwindung vieler bürokratischer und politischer Hürden wird er schließlich gebaut.

In der zweiten Stadterzählung nehmen zwei Männer bei ihren Fahrten nach Köln Anhalterinnen mit, um sie sexuell zu nötigen und in deren „Angstaugen sehen zu können“.

Das aktuelle Thema Fremdenhass spielt in der ersten Land-Geschichte eine wesentliche Rolle. Flüchtlinge, die in einem Wohnheim mitten im Dorf wohnen, werden unflätig beschimpft. Am lautesten brüllt ein Mann, der den „Eindringlingen“ Prügel androht, falls sie seine Ehefrau „anpacken“. Seine Frau ist allerdings zwei Jahre zuvor verstorben.

In der Erzählung „Oberbergischer Stierkampf“ streiten ein kleiner, noch weitgehend traditionell wirtschaftender Nebenerwerbsbauer mit dem Großbauern des Dorfes, der Milchwirtschaft industriell betreibt und „den Markt mit Milch und seine Weiden mit Gülle überflutet“. Am Ende kann sich die Frau des Feierabendbauerns immerhin als moralische Siegerin fühlen.

Der im Obergischen sehr bekannte Saxophonist Stephan Aschenbrenner verstand es, die Texte mit passenden Musikstücken einfühlsam zu untermalen und erntete dafür vom begeisterten Publikum viel Beifall.

Karl Feldkamp(73), in Lübeck geboren, hat über 48 Jahre in Städten gelebt, darunter 17 Jahre in Köln und 22 in Bergisch Gladbach. Als Sozialarbeiter war er mehr als 8 Jahre am Kölner Hauptbahnhof tätig und hat dort spannende Geschichten erlebt, die er immer wieder aufschrieb. Viele davon sind in seinem Buch „AngstAugen“ erschienen.

Seit gut 5 Jahren wohnt er in dem 560 Einwohner zählenden Dorf Wallefeld und fühlt sich dort mehr als wohl, „auch wenn auf dem Lande längst nicht alles in Ordnung ist“. Die Stadt-Landfrage wird auch, davon ist er fest überzeugt, in der weiteren Zukunft seine literarische Herausforderung bleiben.