Sowohl Naturharzlacke als auch die mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel" versehenen "schadstoffarmen Lacke" entstammen dem Versuch, die gesundheitsschädlichen organischen Lösemittel zu ersetzen. In "Blaue-Engel-Lacken" wird ganz überwiegend Wasser als Lösemittel eingesetzt, während in Naturharzlacken aus der Natur gewonnene Substanzen verwendet werden, etwa Terpentinöle oder Citrusschalenöle. Die wasserverdünnbaren Umweltzeichen-Lacke mit geringen Lösemittelanteilen haben sich in Baumärkten durchgesetzt. Ihr Marktanteil beträgt rund 70 %. Wer Naturharzlacke aus Naturstoffen will und Wert auf eine vollständige Deklaration der Inhaltsstoffe legt, wird hingegen im Öko-Baumarkt fündig.
Acryllacke
Dispersionslacke bzw. Acryllacke enthalten oftmals bis zu 10 % organische Lösemitteln. Als Bindemittel werden Acrylharze verwendet. Durch eine verbesserte Lackrezeptur kann der Lösemittelanteil weiter verringert werden.
Beim Umweltzeichen wurden zum Jahresbeginn 1997 die Vergabegrundlagen verschärft. Seitdem sind "Blaue-Engel-Lacke" in Gruppen aufgeteilt, z.B. für Vorlacke, Holzlasuren, Grundierungen, für die jeweils maximale Lösemittelgehalte zwischen 2 % und 15 % vorgeschrieben sind.
Das Umweltzeichen steht darüber hinaus für die Vermeidung bestimmter gesundheitsschädlicher Stoffe wie krebserzeugender, erbgutverändernder oder embryotoxischer Substanzen und giftiger oder sehr giftiger Stoffe. Bestimmte andere Stoffe dürfen nur in Höchstmengen vorhanden sein, so etwa Mikrobizide, die nur zu Konservierungszwecke eingesetzt und höchstens 0,5 % ausmachen dürfen. Ansonsten ist die Zugabe von Bioziden ausgeschlossen.
Naturharzlacke
Naturharzlacke sind etwas teurer, haben aber eine sehr gute Deckwirkung und haften auf allen alten Anstrichen. Sie werden auf Naturbasis hergestellt, allerdings ist der Begriff "Naturharzlack" nicht rechtlich geschützt, so dass auch modifizierte Harze zum Einsatz kommen können.
Als Lösemittel werden Pflanzengeiste, ätherische Öle und Gärungsalkohol eingesetzt. Ihr Anteil liegt in Naturharzlacken oftmals bei 20 bis 50 %, so dass sie von der Vergabe des "Blauen Engels" ausgeschlossen sind. Als Bindemittel dienen Pflanzenharze wie Kiefern- oder Lärchenharz, Harze des Pinien- (Kolophonium) oder des Dammar-Baumes (Dammar). Auch Konservierungsmittel und andere Additive in Naturfarben sind natürlichen Ursprungs. Die Pigmente in Naturfarben werden aus Pflanzen (z.B. Rot aus der Krappwurzel, Blau aus dem Indigostrauch) und Erden (Ocker, Umbra) gewonnen. Dazu kommen noch Mineral-Pigmente (Ultramarin, Neapelgelb) und organische Pigmente.
Der natürliche Ursprung der verwendeten Substanzen ist nicht gleichbedeutend mit ökologischer oder gesundheitlicher Unbedenklichkeit. So unterscheidet weder die Natur noch der menschliche Körper zwischen natürlichen und synthetischen Lösemitteln. Grundsätzlich können auch Naturstoffe daher Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schleimhautreizungen auslösen. Auch werden einige in Naturharzlacken eingesetzten Stoffe als allergieauslösend eingestuft, etwa delta-3-Caren, Citrusschalenöl oder Terpentinöl. Außerdem tragen auch die natürlichen Lösemittel zur Bildung von Ozon und damit zur Entstehung von "Sommersmog" bei.
Wer die Gefährdung der eigenen Gesundheit und der Umwelt beim Lackieren reduzieren will, der sollte Lacke mit Umweltzeichen oder Naturharzlacke verwenden. Beide Arten sind gegenüber konventionell erzeugten Lacken verträglicher. Unbedenklich ist jedoch kein Lack. Deshalb sind immer Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. So sollte bei Lacken durchweg darauf geachtet werden, dass
- sie für Kinder unzugänglich aufbewahrt werden,
- Spritznebel nicht eingeatmet werden
- nur bei guter Belüftung verarbeitet werden
- nicht in die Kanalisation, Gewässer oder Erdreich gelangen dürfen
- nur restentleerte Dosen zum Recycling gegeben und
- noch flüssige Reste beim Schadstoffmobil abgeben werden.
Darüber hinaus können folgende Tipps weiterhelfen:
Der Kauf
- Die meisten Anstriche kann man mit lösemittelarmen Lacken durchführen.
- Lacke für die Außenanwendung sind meist harte, wetterfeste Kunstharz- oder Alkydharzlacke und enthalten mehr Chemie als Anstriche „nur für innen“. Hierfür sollte man schwermetallfreie und fungizidfreie Lacke verwenden.
- Auf Biolacken sollten die Inhaltsstoffe vollständig angegeben sein.
- Wenn auf alten Alkydharzlack ein neuer, wasserverdünnbarer Acryllack aufgebracht werden soll, muss man die Haltbarkeit prüfen.
Rund ums Streichen
- Vor dem Streichen sollte der Untergrund gut vorbereitet und die Umgebung abgedeckt werden - das erspart später den Einsatz von Verdünner. Schwungvolle Anstreicher sollten Terpentinöl für die Umgebung bereithalten, Kleckerer mit Handschuhen arbeiten. Das Ergebnis bestimmen Geduld und ein guter Pinsel.
- In jedem Fall muss das Fenster auf und wenn möglich Durchzug gemacht werden. Übrigens: je wärmer es ist, desto schneller sind die Lösemittel verdunstet.
- Nach getaner Arbeit sollten die Überreste aus Anstricharbeiten in den Sondermüll. Gebrauchte Dosen stellt man auf den Kopf, Pinsel ins Wasser und, wenn sie mit einer festen Lackschicht umzogen wurden, nicht tagelang ins Lösemittel, und schon gar nicht in Pinselreiniger, sondern gibt sie in den Sondermüll. Gute und teure Pinsel reinigt man am besten rechtzeitig mit wenig Terpentinöl oder fettlösendem Spülmittel. Auch wasserverdünnbare Lacke gehören nicht in die Toilette.